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Kaiserliche Ausfahrt vor dem Café Griensteidl
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Kaiserliche Ausfahrt vor dem Café Griensteidl
Aquarell auf Papier
signiert und datiert 1897
29,5 x 40,5 cm
Das Café Griensteidl am Michaelerplatz, bis zu dessen Abriss direkt gegenüber dem alten Burgtheater gelegen, gehörte zu den traditionsreichen Wiener Kaffeehäusern. Es befand sich im Erdgeschoß des Palais Dietrichstein und wurde von dem ehemaligen Apotheker Heinrich Griensteidl 1847 eröffnet. 1848 hieß es vorübergehend "National Café". Rasch wurde es zu einem Treffpunkt der Wiener Literaten. Berühmtheit erlangte es vor allem seit Mitte der 1880er Jahre als Treffpunkt des "Jungen Wien", das heißt des Kreises um Hermann Bahr, zu dem auch Hofmannsthal, Schnitzler, Beer-Hofmann und Felix Salten gehörten. Karl Kraus besuchte das Griensteidl seit seiner Gymnasialzeit. Seine Bekanntschaft mit den "Modernen" um Hermann Bahr fand ein Ende, als Kraus 1898 in der Zeitschrift "Die Gesellschaft" eine Attacke gegen Bahr und ein Jahr später seine Satire "Die demolierte Literatur" veröffentlichte, in der er die "Kaffeehausdekadenzmodernen" der Lächerlichkeit preisgab. Der Grund für die Differenzen lag in der opportunistischen Rolle, die Bahr im Literatur- und Theaterbetrieb der Zeit spielte, sowie in dessen Ablehnung der deutschen Naturalisten, vor allem Gerhart Hauptmanns, den Kraus verehrte.

Als das Gebäude 1897 abgerissen wurde, gab dieser Vorgang Kraus den Anlass für den Titel seiner satirischen Abrechnung.

Über das vorläufige Ende des berühmten Literatencafés "Griensteidl" schrieb Karl Kraus: "Wien wird jetzt zur Großstadt demoliert. Mit den alten Häusern fallen die letzten Pfeiler unserer Erinnerungen, und bald wird ein respektloser Spaten auch das ehrwürdige Café Griensteidl dem Boden gleich gemacht haben. Ein hausherrlicher Entschluss, dessen Folgen gar nicht abzusehen sind. Unsere Literatur sieht einer Periode der Obdachlosigkeit entgegen, der Faden der dichterischen Produktion wird grausam abgeschnitten." Nachdem das Palais Dietrichstein der "Gewalt" gewichen war, wurde hier das Palais Herberstein erbaut, und die Künstler mussten sich eine neue Heimstätte suchen. Die Rolle des Literatencafés wurde in den folgenden Jahren vor allem von den Cafés "Museum", "Herrenhof" und "Central" übernommen. Erst 1990 wurde an der ursprünglichen Stelle wieder ein Kaffeehaus eröffnet und die "Legende Griensteidl" damit wieder zum Leben erweckt.