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Mag. Gerlinde Szaal

Material und Technik des Aquarells

Abgeleitet von lat. aqua "Wasser", bezeichnet der Begriff Aquarell wörtlich und im weitesten
Sinne eine Malerei mit wasserlöslichen Farben. Die Verwendung von Wasserfarben gehört zu
den ältesten Techniken der Malerei. Als erster Aquarellist gilt Albrecht Dürer aufgrund seiner
Landschafts-, Tier- und Pflanzenstudien, bei denen die Ausführung in einer Mischtechnik aus
deckenden und transparenten Wasserfarben einen wesentlichen Bestandteil des Naturstudiums
bildete. Im 19. Jahrhundert gewann die Aquarellmalerei zunehmend maltechnische und ästhetische
Eigenständigkeit, und die Vedute wurde zu einem bedeutenden Zweig dieser Kunstströmung.

Im deutschen Sprachgebrauch werden die Begriffe "Aquarell" und "Wasserfarbe" heute nahezu
identisch verwendet. Strenggenommen ist "Wasserfarbe" allerdings als Überbegriff zu verstehen
und kennzeichnet die Tatsache, das Wasser der Hauptbestandteil der Malflüssigkeit ist.
Die Farbpigmente werden in Wasser aufgeschwemmt und mit Gummi-Arabikum gebunden.
Durch die Unterschiede in der Menge der Pigmente und der Dichte des Bindemittels entsteht die
Trennung in "Aquarell" (das dem englischen "watercolour" entspricht) und Deckfarbe (engl. "body-
colour"). Hier kommt sehr deutlich zum Ausdruck, was die eigentliche Unterscheidung zwischen
Aquarell und Deckfarbe ausmacht, nämlich körperlose Transparenz auf der einen und körperhafte
Stabilität und Dichte auf der anderen Seite. Die Transparenz des Aquarells rührt von der Feinheit
der Farbteilchen und dem geringen Zusatz von Bindemitteln her, die Farbpartikel haften in diesem
Fall durch Adhäsion. Im Vergleich dazu führt bei Deckfarben der höhere Gehalt von Bindemittel und
massiveren Pigmenten zu einer stärkeren Verklebung der Teilchen, was eine kompakte, deckende
Wirkung zur Folge hat. Werden überdies noch Füllstoffe wie z. B. Weiß zugesetzt, erhält man eine
noch dichtere Aufschwemmung und die Haftung am Papier kommt durch Kohäsion zustande - diese
Technik wird als Gouache bezeichnet.

Nun hat mit ganz wenigen Ausnahmen kaum ein Aquarellmaler ganz auf deckende Malweisen,
nämlich auf die dichtere Intensität des Farbauftrags, völlig verzichtet, da es, etwa in der
Vedutenmalerei, besonders darum ging, neben der atmosphärischen Ungreifbarkeit eines Ortes
auch greifbare Wirklichkeiten von plastischen Gegenständen - herrliche Beispiele städtischer
Architektur ebenso wie das sich auf den Plätzen und in den Straßen abspielende rege Treiben der
Bevölkerung - darzustellen, und das vermögen Deckfarben eben doch wirkungsvoller. So sind auch
die Alt-Wiener Veduten in der Regel von einem gemeinsamen Verwenden beider Möglichkeiten, des
transparent-luftigen Aquarells und der Deckfarbe mit den Möglichkeiten der Modellierung des
Gegenständlichen geprägt.

Grundlegend für die Gestaltung von Aquarellen ist die Malweise vom Hellen zum Dunklen, wobei
die Aussparung unbemalter Teile des Bildträgers, zumeist saugfähiges weißes oder leicht getöntes
Papier, am hellsten wirkt. Eine zweite Regel, die erhöhte Anforderungen an die Verwendung der
Aquarellfarbe stellt, betrifft die Intensität der Farbwirkung und die Farbmischung durch den
schichtweisen Auftrag transparenter Farbe. Voraussetzung ist ein behutsames Fortschreiten der
Malerei, da die lasierende Übermalung das Trocknen der vorausgehenden Schichten voraussetzt.
Die Technik des Aquarellierens lässt die farblichen Eigenschaften der Bildgegenstände aus dem
Licht hervorgehen, dem sie ihr Erscheinen verdanken. Dieses Licht dient zumeist nicht als
Beleuchtung, die von einer bestimmten Lichtquelle ausgeht, sondern wohnt den Gegenständen
inne und verwandelt sich auf prismatische Weise in die Wahrnehmung von Farben.
Maltechnisch äußerst sich diese Farb-Werdung des Lichtes im partiellen Auftrag transparenter
Farbflecken.

Die Technik der Deckfarbenmalerei ist jener des Aquarells diametral entgegengesetzt. Hier wird
von einer dunklen, untersten Farbschicht ausgegangen, die mit immer heller werdenden Farben
übermalt wird. Den Abschluss bilden mit Deckweiß aufgesetzte "Spitzlichter". Dieses Malen vom
Dunklen zum Hellen erzeugt einen stark plastischen Eindruck und stellt somit ein ideales
Ausdrucksmittel zum Hervorheben einzelner Fassadenteile oder Staffagen in der Vedute dar.

Die Alt-Wiener Veduten gehören aufgrund ihrer herausragenden Qualität zu den begehrtesten
Sammelobjekten auf dem Gebiet der Aquarellmalerei. Dem begeisterten Sammler wird durch die
Betrachtung seiner Blätter jene direkte Begegnung mit dem Künstler zuteil, mit jenem Menschen
also, der alle seine Gedanken auf dieses Werk konzentrierte, all sein Können einsetzte, um
auszudrücken, was ihn erfüllte, was er weitergeben wollte. Man muss diese Begegnung suchen,
erst dann kann das Aquarell hergeben, was in ihm ist.
Alles das nämlich, was seinen unvergleichlichen Charakter, seinen zarten und doch so anregenden
Reiz ausmacht: die leichte, phantasievolle Farbigkeit, die spontane Unmittelbarkeit des Vibrierens
der Künstlerhand und die Direktheit, mit der sich der Aquarellist durch dieses Medium an den
Betrachter wendet, mit seiner Lavierung, dem Verfließen und Verdichten, das uns so faszinieren
kann; mit dem Leuchten der weißen Helligkeit des Papiers, in dem man zu spüren vermeint,
wie das Licht durch die Farben hindurch wiederum zum Auge zurückfließt. Durch die Jahrhunderte
hat sich das Aquarell entfaltet - und vielleicht sind es eben diese kleinen, spontan hingesetzten
Werke, die auch für weitere Jahrhunderte wiederum eine große Zukunft vor sich haben.

 
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